Das Netzwerk
Netzwerk plus – das bundesweite Netzwerk der Menschen mit HIV und Aids
Netzwerk plus - das bundesweite Netzwerk der Menschen mit HIV und Aids wurde am 1. September 1996 während der 7. Bundesversammlung von Menschen mit HIV und Aids in Leipzig gegründet. Die Entstehung des Netzwerks war ein Ausdruck der Selbstorganisation von einer Reihe von engagierten HIV-positiven Männern und Frauen, die den politischen Anspruch hatten, einen selbständigen und unabhängigen Zusammenschluss von Menschen mit HIV und Aids für Menschen mit HIV und Aids zu bilden, unabhängig davon, welcher Betroffenengruppe sie angehören.
Wir sind nicht das Problem sondern Teil der Lösung!
Netzwerk plus bietet einen Rahmen, innerhalb dessen Menschen mit HIV und Aids ihre Interessen im Aids-Bereich und gesamtgesellschaftlich selbst vertreten können. Wir orientieren unsere Arbeit an Prinzipien der Selbsthilfe, Solidarität, der Transparenz, der Gleichberechtigung und des Respekts vor den universellen Menschenrechten.
Von den Anfängen …
Nicht zufällig erfolgte der Impuls zur Gründung des Netzwerks im Jahr 1996, also dem Jahr, als mit der Vancouver-Konferenz plötzlich durch die Einführung der Kombinationstherapien eine Heilung der HIV-Erkrankung in greifbare Nähe gerückt schien.
- Viele HIV-Positive waren unzufrieden und verunsichert, weil sie angesichts einer zunehmenden Professionalisierung der Hilfsangebote vieler Aidshilfen kaum noch Raum fanden, sich in Selbsthilfe zu engagieren und eigene Projekte zu realisieren.
- Aus einer bis dahin fast zwangsläufig tödlichen Erkrankung wurde durch die neuen Möglichkeiten der Medizin eine lebenslang zu therapierende chronische Krankheit. Qualität und Umfang der von den Krankenkassen finanzierten Leistungen rückten zunehmend in das Zentrum des Interesses.
- Mit den Fortschritten in der Therapierbarkeit der HIV-Infektion verringerte sich das öffentliche Interesse an der Finanzierung von Aids-Präventionsarbeit. Einsparungen im Aids-Bereich begünstigten wiederum ein Ansteigen der Neuinfektionszahlen.
- Die Wahrnehmung von Aids als einer behandelbaren Krankheit minderte die Motivation des einzelnen (nicht-infizierten) Individuums, sich vor einer HIV-Infektion konsequent zu schützen.
… bis heute
Nach mehr als zehn Jahren Netzwerkarbeit sind die Themen von damals noch immer höchst aktuell. Zugleich haben sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für Menschen mit HIV und Aids in Deutschland erheblich verändert:
- Selbsthilfe und Betroffenenbeteiligung finden heute weit mehr politische Akzeptanz und Unterstützung als früher, gleichzeitig engagieren sich immer weniger Menschen mit HIV und Aids aktiv an der Gestaltung der Angebote von Prävention und Versorgung.
- Die Schaffung von verlässlicheren Kommunikationsstrukturen für politische Selbstorganisation, die über den reinen Erfahrungsaustausch innerhalb einer Selbsthilfegruppe hinausgehen soll, ist eine der Herausforderungen, an denen Netzwerk plus arbeitet.
- Die Zahl der Menschen, die mit HIV und Aids leben, hat sich mehr als verdoppelt und ihre Lebenssituationen sind immer vielfältiger geworden. Ihr gemeinsamen Interessen zu formulieren und dann auch in umsetzbare Ziele und Projekte einmünden zu lassen, ist heute sehr viel schwieriger.
- Ein Schwerpunkt unserer zukünftigen Arbeit wird die Vermittlung von Kompetenzen darstellen, die für die Selbsthilfe-Arbeit vor Ort ein effizienteres Arbeiten ermöglichen, die aber auch für eine erfolgreiche Lobby- und Gremienarbeit auf Bundesebene erforderlich sind.
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